Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken: Die schrägen Typen der Journaille (von Honoré de Balzac) – ein Gastbeitrag von Sabine Ibing

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(Herausgegeben und aus dem Französischen von Rudolf von Bitter) 1843 hat der französische Schriftsteller Honoré de Balzac in seinem Werk »Monographie de la presse parisienne« seine Geringschätzung gegenüber Journalisten zu Papier gebracht. Nach circa 150 Jahren ist dieses Werk immer noch aktuell. Man kann es nicht glauben, bisher ist dieses Buch nicht auf Deutsch erschienen! Vielen Dank, Rudolf von Bitter, für diese Übersetzung. »Die Presse, wie die Frau, ist wunderbar und erhaben, wenn sie eine Lüge vorbringt. Sie lässt nicht locker, bis Sie ihr glauben, und sie verwendet die größten Talente auf diesen Kampf, in dem das Publikum, so dämlich wie ein Ehegatte, immer unterlegen ist. Wenn es die Presse nicht gäbe, dürfte man sie nicht erfinden.« Balzac unterteilt die »Schmierfinken« in Publizisten und Kritiker, Gattungen mit Untergattungen wie bei Brehms Tierleben. Feuilletonisten bezeichnet er als »fröhlichste Spezies all dieser Papierverschwender«. Es gibt »Pamphletisten, Lobhudler, Schönschreiber, Nihilogen, das Faktotum, Zeilenangler, den Mann fürs Grobe und was sonst noch alles in Redaktionen kreucht und fleucht.« Die »Quarkschläger« gehören zu der Gattung der Journalisten, die Art Artikel schreiben, die die Masse der Leser konsumieren möchte, es sind opportunistische Karriere- Journalisten. Schon damals werden Buch-Piraten benannt, die sich Raubdrucker nannten. »Für den Journalisten ist alles Wahrscheinliche wahr.« Voller Polemik und Satire zieht Balzac über die Presse her, in Wut über die schlechten Rezensionen seiner Bücher. Balzac selbst hatte als Journalist begonnen, sich dann für die Schriftstellerei entschieden, wurde von den Kollegen in den Dreck gezogen. Er behauptet, im Gegensatz zum Schriftsteller bedienen sich Journalisten an vorgefertigten Sätzen. In den Redaktionen befinden sich Menschen »mit grüner, gelber oder roter Brille, die dereinst mit ihrer Brille auf der Nase sterben werden und die man einem bestimmten Blatt zuordnet.« Und die ernsthafte Recherche kann nicht bezahlt werden, drum gilt: »Erst daufhauen, dann klären.« Er kennt sich aus in Zeitungen, beschreibt den Wettbewerb der Marktanteile, politischen Einfluss und den Einfluss der Werbeschaltung. Eine gehaltvolle Fürsprache zum Urheberrecht, wird Jahre später vom Gericht zur Urteilsfindung und gültigen Rechtsprechung herangezogen, ist noch heute brandaktuell. Voll Temperament peitscht Balzac respektlos auf die ehemaligen Kollegen ein, polemisch, ja, aber mit viel Tiefe und Sachverstand. Schmierenpresse, Fake-News, Lügenpresse, Presse zur Meinungsmache zu nutzen, politische Zwecke, gockelhafte Chefredakteure, allzu viel hat sich seit damals nicht geändert. Balzac bedauert, dass die ehrlichen, kritischen Journalisten weder von der Presse noch vom Volk geliebt werden. »Das Blatt mit den meisten Abonnenten ist also das, das der Masse am ähnlichen ist.« Ich finde, dieses Buch darf in keinem Bücherschrank fehlen. »Der junge blonde Kritiker – Drei Arten: 1. Der Leugner, 2. Der Spaßvogel, 3. Der Lobhudler« Nun frage ich, wer bin ich? Zum Glück bin ich nicht blond.

 

Noch mehr Rezensionen? Hier geht’s zum Autorenblog von Sabine Ibing. Viel Spaß!

 

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Tag 6 und Abschluss der Blogparade #StarkeFrauen: Interview mit der Verlegerin Else Laudan

Gastbeitrag von Sabine Ibing

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Else Laudan, Verlegerin, 1963 in Berlin geboren, betreut die Reihe der “Ariadne Kriminalromane” im Argument Verlag, Hamburg, seit 1988. Mit viel Begeisterung übernahm Else Laudan mit 25 Jahren von ihrer Mutter Frigga Haug die Krimireihe, die ein Jahr vorher gegründet war. Sie hatte ein Soziologie-Studium und eine abgebrochene Ausbildung zur Maschinenschlosserin hinter sich. Mit P.M. Carlson, K.V. Forrest und Val McDermid ermittelten Detektivinnen, lesbische Kommissarinnen entgegen der männlichen Dominanz. Sie deckten Verbrechen an Frauen auf und beschrieben neue weibliche Lebensformen.  E. L.:  „Meine eigenen Lesevorlieben, mein von Soziologiestudium und Lebenserfahrung geschulter Verstand und mein Gefühl beim Betrachten der Welt sagen mir, dass Aufklärung nötig und das Verbreiten guter politischer Krimis wichtig ist. Natürlich müssen sie auch gut geschrieben sein, sonst nützt es alles nichts.“

S.I.:    Mit dem Ariadne Frauen-Krimi-Kulturprojekt hast du seit langem Erfolg. Immer noch produziert Ariadne niveauvolle Krimis aus Frauenfeder, abgedreht, humorvoll, knallhart, immer politisch, manchmal intellektuell, manche tiefschwarz. Gegründet wurde der Verlag zu Zeiten, als Krimis nicht zur Literatur zählten, schon gar nicht die von Frauen. Der weibliche Blick im Kriminalroman, wie du es gerne nennst, sei eine Stärke und keine Schwäche. Was meinst du damit?

E. L.:    Diese Aussage wehrt sich gegen zwei verbreitete Vorurteile: Erstens, dass das Erzählgeschlecht doch egal sei, dass im herkömmlich-männlichen Blick die ganze Welt vorkommt und keine Leerstellen bleiben. Wie könnte das sein? Solange es ein soziales Gefälle gibt, ist der erzählerische Blick davon befangen. Grundsätzlich leben vom Status Quo Begünstigte in einer anderen Welt als nicht Begünstigte, sie erleben verschiedene Realitäten, erzählen dieselbe Geschichte unterschiedlich. Selbst in unserer „aufgeklärten“ Wohlstandsgesellschaft werden Frauen in Lohnarbeit schlechter bezahlt, wo immer etwas zu entscheiden ist, trifft man auf ein Männerübergewicht, nach wie vor gilt „Machen“ als männlich, „Sorgen“ als weiblich. Mit dem Blickwinkel der Frauen kommen also nicht nur Machtunterschiede, sondern auch Milieus und Themen ins Bild, die sonst ausgeblendet bleiben. Das ergibt komplexere Alltagsbezüge, sorgt für lebensnahe Brisanz. MISS TERRY von Liza Cody ist z.B. ein Buch, das eine untypische, unterlaufende Erzählperspektive bietet, sehr bereichernd. Das zweite Vorurteil lautet, dass sogenannte Frauenthemen/Frauenbücher irgendwie etwas Läppisches seien, weniger relevant. Der Mainstream sieht Frauenliteratur ja immer noch gern in der Romantik-Nische wie einst die Groschenromane fürs Dienstmädchen. Frauen haben in den letzten drei Dekaden das Krimigenre erobert, aber da, wo „relevante“ Literatur definiert wird, sind sie total unterrepräsentiert. Genau wie die Milieus und Themen, die traditionell nicht Felder männlichen Heldentums sind: Jenseits von heroischen Ermittlern, Aktivisten, Spionen, Enthüllungsjournalisten in Kriegsgebieten und dergleichen gibt es Alltag, der mit seinen Verstrickungen gemeistert werden muss, damit ein Morgen überhaupt möglich ist. Es gibt Kranke, Versehrte, Alte und Kinder, für die gesorgt und vorausgedacht werden muss. Aber das sind als langweilig geltende Themen, die übrigens in der Gesellschaft genauso zu kurz kommen wie in der Kultur (siehe Pflegenotstand). Fraglos existenziell, aber ohne den Glamour des kulturell „Wichtigen“. Ich finde das borniert und dürftig, ich will die ganze Welt in guten Krimis vorfinden, nicht bloß den tradierten Jungskram. Den lese ich, sofern er toll geschrieben ist, dann zwischendurch auch gern. Aber bitte nicht nur.

S.I.:    Milieubeschreibungen, Reales, Plots, die die Gesellschaft beleuchten, Sozialstrukturen offenlegen, kritisch betrachten, das ist dein Anliegen.

E. L.:    Ja, das ist für mich die Aufgabe von und der Vorteil bei guter Kriminal- und Noir-Literatur. Ich behaupte zudem: „Über die realen Machenschaften der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik, über ihre Gier und deren Auswirkungen auf menschliches Leben erfährt man heute aus guten Kriminal- und Verbrechensromanen mehr Wahres, mehr Hintergrund und mehr Konkretes als aus den offiziellen Medien“ (Essay in der Polar Gazette, Link: http://www.polar-gazette.de/?p=1532). Letztlich kommt es natürlich darauf an, wie etwas geschrieben ist und was die Schreibweise mit mir macht. Ich will mich weder belehren lassen noch wollüstig gruseln, sondern ich will mitreißende, realistische, starke Romane über echte Lebenswelten, relevantes Zeitgeschehen.

S.I.:    Du hast dich für Krimis von Frauen eingesetzt, als diese in Deutschland nicht zur Literatur gehörten. Doch als sich Krimis etablierten machten große Publikumsverlage deinen Autorinnen gute Angebote und dein kleiner Verlag ging zugrunde. Wie fühlt man sich, wenn Autoren wegrennen, die man aufgebaut hat und diese immer unterstützte. Dir war der finanzielle Erfolg immer Nebensache. Deinen Autorinnen anscheinend nicht.

E. L.:    Das stimmt so nicht ganz. Eigentlich hat uns keine Autorin schnöde verlassen, obwohl es harte Zeiten gab. Aber das führt hier zu weit, man kann es ausführlicher in einem öffentlichen Vortrag nachlesen, wo ich berichte, wie sich die Ariadne-Reihe entwickelte und was dann geschah: http://www.krimis- machen.eu/wp-content/uploads/2013/09/13-08-26-Laudan_Krimi- ist-politisch_Vortrag.pdf S.I.:    Du hast neu angefangen mit deutschen Autorinnen, eine Menge Talente aufgebaut: Monika Geier, Christine Lehmann, Dagmar Scharsich, Anne Goldmann, Merle Kröger und die Südafrikanerin Charlotte Otter, sowie die französische Königin des Noir, Dominique Manotti. Es braucht ein gutes Auge und einen langen Atem, bis sich ein Autor etabliert. Woher nahmst du den Mut neu anzufangen?

E. L.:     Ich bin Überzeugungstäterin, in doppelter Hinsicht. Ich bin überzeugt, dass der politische Kriminalroman die stärkste und dynamischste Gegenwartsliteratur ist, weil er von der Wahrheit erzählt. Und ich will immer alle überzeugen, zumindest aber alle leidenschaftlich Lesenden. In fast 30 Ariadne-Jahren hab ich Können und Erfahrung im Verlegen politischer Krimis gesammelt, und ich bin stur. Zudem ist unser Projekt noch lange nicht abgeschlossen. Es gibt so kluge, kühne, geniale Autorinnen, für deren Sichtbarkeit zu streiten eine sehr erfüllende Aufgabe ist.

S.I.:    Du bist bekannt für ein hartes und faires Lektorat, für Teamarbeit, die die Autorin vorantreibt. Die Autorinnen von Adriane haben alle etwas zu sagen. Spannende Bücher, die einen sozialkritischen Hintergrund haben, kein Mainstream. Du springst auf keinen Hype auf, holst dir Schwedenkrimis (obwohl es dort sozialkritische Bücher gäbe) oder machst auf Almdudelserien. Ist vielleicht das dein Erfolg? Du bleibst dir treu in fast 30 Jahren Verlegertätigkeit.

E. L.:    Wenn ich Moden nachjagen würde, müsste mich verbiegen, und erfahrungsgemäß bringt das nichts außer Verdruss. Wir haben in harten Jahren gelernt, dass wir nur gebraucht werden, wenn wir etwas Besonderes machen. Da ist es naheliegend, sich auf das zu spezialisieren, woran man selber glaubt. Ich wollte immer eine Arbeit, die mich zum Glühen bringt, ohne dass ich mich selbst und andere belügen muss – dafür nehme ich es in Kauf, ständig zeitknapp und pleite zu sein. Nur zu verlegen, was ich ohne Kompromisse großartig und relevant finde, ist ein Privileg und verpflichtet dazu, es mit allen Kräften richtig gut zu machen.

S.I.:    Merle Kröger erhielt für ihren Roman „Grenzfall“ den Deutschen Krimipreis 2013, mit „Havarie“ stand sie 2016 auf dem 2. Platz. Ich gratuliere auch der Verlegerin. Es sind übrigens zwei wirklich gute Krimis. Wie stolz ist die Verlegerin?

E. L.:     Na, schon maßlos stolz. Merle ist eine so kühne Autorin, ich liebe sie und habe vom ersten Buch an ihr inhaltliches Rückgrat und ihre Courage bewundert, ihre formale Experimentierlust bei großer Klarheit im Anliegen. Sie riskiert viel und eckt damit auch an, so gibt es bei jedem Buch Stimmen, die meinen, der Roman sei „kein richtiger Krimi“, aber sie hat ein sagenhaftes Gespür fürs Mitreißende. Als politische Dokumentarfilmerin recherchiert sie unglaublich gewissenhaft und bleibt ganz dicht an den Menschen mit all ihren Sehnsüchten und Widersprüchen, sie bringt etwas Filmisches ins Genre ein und dokumentiert mit ihrer Fiktion zugleich das reale Leben. Ich brenne für ihre Romane.

S.I.:    Bei Ariadne müssen angehende Autorinnen mit der Einsendung eines Exposés einem Fragebogen ausfüllen. Hier muss man genau sein Skript analytisch beschreiben, Sozialstrukturen und Figuren offenlegen, seine Intention für das Manuskript erklären. Warum dies Prozedere?

E. L.:     Der Fragebogen ist uralt, etwa 25 Jahre, aber er stellt klar, dass wir inhaltliche Ansprüche haben. Die werden eingefordert, noch ehe wir auf die Erzählkunst schauen. Von den Krimiautor/innen vergangener Epochen bewundern wir ja gerade die „unbequemen“ für ihre Schärfe und Relevanz. Schreiben ist Kunst, aber es ist auch Haltung und Aussage. Form und Inhalt gehören beide in ein Bezugssystem, mit dem sich Autorinnen befassen müssen, wenn sie nicht einfach unbedeutenden Quark produzieren wollen. So sehr ich hardboiled auch liebe: Eine Autorin, die mit den Mitteln des Hardboiled affirmative oder politisch indifferente Geschichten erzählt, reizt mich null. Also fragen wir gleich vorweg: Du willst gelesen werden, willst eine Eintrittskarte in anderer Leute Köpfe. Was gedenkst du in diesen Köpfen zu hinterlassen? Was hast du zu geben, das dich dazu berechtigt? Man kann z.B. nicht wie Manotti schreiben, wenn man nicht zornig ist und zornig machen will.  Im politischen Krimi geht es darum, das Verbrecherische in den Strukturen offenzulegen. Kurz: Schreibenkönnen allein reicht noch nicht für Ariadne, es muss ein Anliegen da sein, das wir als Verlag teilen können, erst dann wird ein Buch zu unserem Projekt.

S.I.:    Männer blenden gern bestimmte politische Probleme aus, wie der Themenberg Südafrika mit Vergewaltigung, sexueller Verstümmelung, Aids, Waffenhandel. Gibt es Frauen, die diese Strukturen in Krimis angehen?

E. L.:     Natürlich, bei dem Thema denke ich sofort an Charlotte Otter. Aus Südafrika kommt ja seit rund zehn Jahren sehr starke politische Kriminalliteratur. Autoren wie Deon Meyer, Mike Nichols, Andrew Brown und andere zeigen das Post-Apartheids-Südafrika als Gesellschaft im Umbruch, ein Land der Extreme. Ihre Romane sind beinhart, vielschichtig und intelligent, es geht um ethnische Konflikte, Waffenhandel, Korruption, Gangs, Kriegsgewinnlertum, soziale Schere u.v.m. Doch einige brisante Themen, die zentral zu Südafrika gehören, stehen kaum im Fokus. Es ist absurd, in sexistischer Gewalt oder Politik um HIV und AIDS „weibliche“ Themen zu sehen, trotzdem bleiben sie bei den Jungs erstaunlich oft ausgespart. Charlotte Otters Maggie- Cloete-Romane sind genauso hardboiled wie die ihrer Kollegen, doch der Fokus verschiebt sich leicht: Es geht um Arzneimittel, Gesundheitspolitik, „Aidswaisen“ (Balthasars Vermächtnis) oder um bedrohte Arten, Lebensweisen und Monokulturen (Karkloof Blue). Charlotte schreibt niemals voyeuristisch, auch nicht etwa zahm, sondern krachend rasant, das sind schnelle, harte, starke Krimis mit weitem Blick. Echte „Fenster zur Welt“.

S.I.:    Heute steht der Thriller im Focus, manchmal lediglich sinnloses Abschlachten durch Psychopathen und Soziopathen, bis ins Detail geschildert. Auch auf diesen Hype bist du nicht aufgesprungen.

E. L.:     Ich halte Serienkiller- und Metzelthriller für eine üble Besänftigungsdroge, gepflegtes Pseudo-Grauen, damit die Realität heiler aussieht, als sie ist. Solange unwägbare Monster durch die Fantasie geistern,  bleibt „Sicherheit“ ein käufliches Gut, das hoch im Kurs steht und beruhigt. Diese Thriller sind affirmativ: Das Bedrohliche an den echten Zuständen rückt gar nicht ins Bild, das Böse ist ja in der Psyche geparkt, fernab unserer Verantwortung – sehr praktisch, wenn sich nichts ändern soll.

S.I.:    Autorinnen sind meist bescheidener als Autoren. Sie müssten mehr Ego zeigen, was Männer von Natur aus machen. Warum fällt es Frauen so schwer, ihre Kompetenz zu zeigen?

E. L.:     „Von Natur aus“? Das sehe ich ganz anders, da geht es nicht um Natur, sondern um Sozialisation und übrigens auch um mächtige Mythen, die Herrschaftsverhältnisse stärken und erhalten. Aber lass mich die Frage mal drehen. Wohin führt denn das „Ego zeigen“? Ist aggressiver Konkurrenzkampf etwa das, was die Welt braucht? Damit noch mehr zu Bruch geht, mehr Krieg, Zerstörung, Ausbeutung … Das gängige Geschlechterrollenbild ist erfolgreich eingespannt in den Erhalt von lebensfeindlicher, kindisch unverantwortlicher Politik und Kultur. Wenn wir uns davon nicht alle mal emanzipieren, bleiben für kommende Generationen nur Trümmer! Frauen sind nicht von Natur aus bessere Menschen, sie haben bloß noch mehr Gründe, gegen herrschendes Unrecht aufzubegehren, weil ihnen noch mehr vorenthalten, noch weniger zugestanden wird. Die Rollenmuster und Glücksversprechen für beide Geschlechter sind eine Schande. Wir müssen alle mehr Verantwortung für die Welt übernehmen, statt ängstlich an dem festzuhalten, was die Norm uns zugesteht.

S.I.:    Du hast die Vereinigung „HERLAND“ gegründet, ein Zusammenschluss weiblicher Krimiautoren. „Allen gemeinsam ist der feministische Ansatz. Literatur von Frauen, gerade mit politischen Themen, verdient mehr Aufmerksamkeit, als ihr momentan zuteil wird. Deshalb finden Sie hier Essays, Stories, Literaturempfehlungen, Satirisches, geschrieben mit einem weiblichen Blick auf die Welt.“ Ein interessanter Blog übrigens. Warum dieser Bund?

E. L.:     Das Netzwerk HERLAND haben wir, Frauen aus mehreren Generationen (zwischen dreißig und fast achtzig), zu neunt gegründet, weil feministische Einmischung kulturell nötig ist.  Kluge politische Autorinnen arbeiten daran, unbequeme Wahrheiten in gute Romane zu packen und damit Literatur zu erschaffen, die nicht verblödet, sondern von der Welt erzählt und dem Publikum Denken zutraut. Statt damit jede allein zu lassen, will HERLAND ein kultureller Pool werden, eine Plattform, wo Autorinnen gesellschaftskritischer Krimis sich austauschen können, eine Quelle für Inspiration und Kritik und Courage. Obwohl gute politische Kriminalliteratur immer stärkere Verbreitung findet, weil sie zu den relevantesten Literaturen der Gegenwart gehört, blüht immer noch der Macho-Kult im Genre, „Frauenkrimi“ steht für romantischen Schund, und was als große Erzählung die höheren Weihen erhält, erzählt fast immer von Männern. Eine einzelne Gegenstimme geht unter und reibt sich schnell auf, also bilden wir einen wachsenden Chor. Frauen können denken, hingucken, schreiben, Frauen haben Rechte, Frauen sind überall. (Ganz besonders übrigens dort, wo die gesellschaftlich notwendigste Arbeit verrichtet wird.) HERLAND fordert mit vielfältiger Stimme:  Mischen wir uns ein. Fangen wir damit an, Frauen sichtbarer zu machen – da, wo es drauf ankommt. Die Welt ist in einem beschissenen Zustand, von dem das Genre adäquat zu erzählen weiß. Doch um seine Welthaltigkeit umfassend zu machen, braucht es den feministischen Blick, der im Politischen dem ganzen Leben gerecht zu werden sucht. Denn das Persönliche ist politisch.

S.I.:    Eine letzte Frage, was gibt es für dieses Jahr für eine Planung? Magst du uns kurz vorstellen, was Ariadne in diesem Jahr Neues herausbringt?

E. L.:    Mit Vergnügen, also der Reihe nach: Drei Bücher kommen jetzt im Frühjahr, zwei davon sind schon im Druck.  „Nach der Schlacht“ von Le Minh Khue ist ein literarischer Einblick in die Kultur und Lebenswirklichkeit Vietnams. Die meisten von uns kennen Vietnam aus Hollywoodfilmen, wo es ein US- amerikanisches Soldatendrama ist. Le Minh Khue zeigt in zwei Erzählungen ein ganz anderes Vietnam mit eigener Geschichte, vernarbt, voller Spuren von Unrecht und Gewalt, fremd und im besten Sinn merk-würdig. Auch dies ist eine Gesellschaft im Umbruch. Die deutsche Autorin Anne Kuhlmeyer spielt auf eigene Art mit dem Genre, mit dem Realismus darin. Sie erschafft faszinierende Gestalten und schickt sie in surreale Szenarien, die sie an ihre Grenzen bringen und darüber hinaus, mit viel Fabulierlust und Sinn für Geschichte(n). Ihr neuer Roman „Drift“ beginnt mit einer Hochwasserkatastrophe, dabei wird mehr weggespült als „nur“ Landschaft: Verhaltensmuster kommen auf den Prüfstand, Literatur übernimmt eine den Plot lenkende Rolle. Das ist wagemutig und herausfordernd, sehr reizvoll. Im Mai kommt dann ein funkensprühender neuer Roman von Monika Geier, die wieder zeigt, wie unglaublich originell und aktuell auch ein „klassischer“ Krimi sein kann. „Alles so hell da vorn“ erzählt von einem Frankfurter Puff, wo ein Bulle erschossen wird, von einem störrischen alten Haus, von einer geheimnisvollen jungen Hure und natürlich von Halbtagskommissarin Bettina Boll, die da Licht ins Dunkel bringen soll. Genial und verschmitzt, Rätselspannung auf allerhöchstem Niveau. Im Herbst bringen wir eine großartige Schriftstellerin aus Indien: Anita Nair nutzt das Genre, um extrem finstere Seiten der aktuellen Normalität auf den Tisch zu bringen. Bangalore, eine Drehscheibe des Kinderhandels in einem Land voller Ungleichheiten. Ein redlicher Kommissar in einem Dschungel aus Korruption. Mehrere Erzählstimmen und Blickwinkel eröffnen ein Panorama tagtäglicher Gewalt, ein Netz aus Macht und Ohnmacht und Gier. Atemberaubend und grimmig. Dann haben wir noch ein Debüt in petto, eine Art Country Noir von einer indianischen Autorin, die ihrerseits historische blinde Flecken ausleuchtet – sehr eigenwillig erzählt, sehr charismatisch. Außerdem machen wir Neuausgaben von Dagmar Scharsichs historischen Krimis „Der grüne Chinese“ und „Die gefrorene Charlotte“, beides sind absolute Juwelen literarischer Spannungsliteratur. Das sind Ariadnes Vorhaben für 2017. Und 2018 kommen neue Bücher von Anne Goldmann, Dominique Manotti und Liza Cody, wir holen endlich Denise Mina zu Ariadne, und wie ich sie kenne, wird auch Christine Lehmann etwas Neues machen – es gibt ja unendlich viel zu tun.

S.I.:    Liebe Else, ich danke dir, dass du mir einen Teil deiner kostbaren Zeit geschenkt hast.

Weitere Interviews von und mit Sabine Ibing

Tag 5 der Blogparade #StarkeFrauen: Mutterrolle im Wandel: „Die Spuren meiner Mutter“

ein Gastbeitrag von Marie Lanfermann

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Wer sich mit den Büchern von Jodi Picoult beschäftigt hat, der weiß, dass Jodi Picoult in ihren Romanen sehr stark auf Beziehungen eingeht und sich ihre Romane dabei zumeist um eine Familie drehen. Auch im neuen Roman von Jodi Picoult geht es um eine Mutter-Tochter-Beziehung. Dieses Buch wirft somit gleich zwei Fragen auf, die eigentlich wenig mit dem Buch oder der Geschichte selbst zu tun haben. Zum einen wäre da das Thema, „Die Mutterrolle in Gesellschaft und Literatur“, zum anderen aber auch die Frage, warum die Mutter in so vielen Büchern und auch genreübergreifend eine derart wichtige Rolle spielt.
Dieser Artikel wird somit also keine klassische Rezension.

1. Die Rolle der Mutter in Gesellschaft und Literatur

Nun, betrachtet man die Rolle der Mutter in Gesellschaft und Literatur, so dürfte auffallen, dass sie sich seit den Fünfzigerjahren kontinuierlich und unaufhaltsam geändert hat, galt die Mutter früher als den Haushalt machend und die Familie zusammenhaltend, womöglich sogar als Mittelpunkt der Familie, gibt es heute sogar Business-Frauen, die Mutter werden.
Betrachtet man das Frauenbild von früher und heute hat es den gleichen Wandel durchlaufen. Heute besteht die Rolle der Frau nicht mehr nur darin, den Haushalt zu führen, die Familie zusammenzuhalten und dem man den Rücken zu stärken, vielmehr haben Frauen heute ein Recht auf eine eigene Karriere. Eine Karriere, die sowohl in typisch femininen Berufen und Bereichen als auch in maskulinen Bereichen stattfinden kann.
Natürlich gibt es immer noch nicht so viele Frauen in der Chefetage, hier ist es immer noch zumeist eine Männerdomäne, aber es werden mehr und die Frauen, die heute in diese Position kommen, sind zum Teil auch Mutter, obwohl das noch seltener vorkommt als eine Frau in der Chefetage.
Früher hieß es „Kind oder Karriere“, heute heißt es „Kind UND Karriere“. Ein auf den ersten Blick kleiner Unterschied mit einer großen Wirkung. Einer Wirkung, die Gesellschaft unaufhörlich verändern und verschieben wird und die sich heutzutage auch schon in der Literatur findet.
Heute findet man in Büchern neben den scharfen Heldinnen, die schon seit jeher den historischen Büchern zugrunde liegen und die es irgendwie geschafft haben selbst in schwierigsten Zeiten ihren eigenen Weg zu finden, auch die realistischen Beschreibungen von Mutterschaft, von Stress, Karriere und Kind. Ob es nun in Büchern wie jenen von Jodi Picoult ist oder in einem vergleichsweise leichten Roman, ist aber erst einmal irrelevant.
Fakt ist die Beziehung zwischen Kindern und ihren Müttern hat sich verändert und ist heute mit deutlich mehr Konflikten aufgeladen als früher, scheint es, doch ob dies tatsächlich der Fall ist, kann, glaube ich, niemand so recht beantworten, da Fassade und Wirklichkeit auch sehr unterschiedlich wahrgenommen werden können.
Im Fall von Jodi Picaults „Die Spuren meiner Mutter“ folgt die 13-jährige Jenna den Spuren ihrer vor zehn Jahren verschwundenen Mutter und begibt sich somit auf eine spannende Reise auf der Suche nach ihrer Identität.
Somit bekommt man tatsächlich schon einen Anhaltspunkt davon, was die Aufgabe einer Mutter in der Gesellschaft ist. Eine Mutter oder auch ein Vater schafft Identität, in Büchern hingegen hat die Mutter zumeist noch eine andere Aufgabe, sie hütet und behütet. In den allermeisten Fällen hütet sie ein Familiengeheimnis, das so über die Jahre nie ans Licht kommen darf und wenn doch, dann würde es zu einem großen Chaos kommen. In den allermeisten Fällen jedoch kommt das besagte Familiengeheimnis ans Licht und dann folgt der große Knall und das Chaos am Ende ist meist gar nicht so groß, wie zunächst gedacht.
Dann jedoch gibt es auch noch die behütende Mutter, die sehr an dem Wohl ihrer Kinder interessiert ist, und somit insbesondere in der Literatur zu einem Problem führt, denn sie steht dem Abenteuer vieler Bücher im Wege, ist ein Hindernis für den Protagonisten oder etwas Vergleichbares.
Im Fall von „Die Spuren meiner Mutter“ ist die Rolle der Mutter noch einmal etwas spezieller, denn sie ist effektiv abwesend, seit über zehn Jahren und niemand weiß genau, was ihr zugestoßen ist. Das alles ist ein wenig mysteriös, rätselhaft. Um zu verstehen, worum es eigentlich geht, müsste man eigentlich das gesamte Buch lesen, da reicht ein Klappentext nicht aus. Dennoch möchte ich Euch an dieser Stelle besagten Klappentext präsentieren.

2. Klappentext

„Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter. Alice Metcalf verschwand zehn Jahre zuvor spurlos nach einem tragischen Vorfall im Elefantenreservat von New Hampshire, bei dem eine Tierpflegerin ums Leben kam. Nachdem Jenna schon alle Vermisstenportale im Internet durchsucht hat, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an die Wahrsagerin Serenity. Diese hat als Medium der Polizei beim Aufspüren von vermissten Personen geholfen, bis sie glaubte, ihre Gabe verloren zu haben. Zusammen machen sie den abgehalfterten Privatdetektiv Virgil ausfindig, der damals als Ermittler mit dem Fall der verschwundenen Elefantenforscherin Alice befasst war. Mithilfe von Alices Tagebuch, den damaligen Polizeiakten und Serenitys übersinnlichen Fähigkeiten begibt sich das kuriose Trio auf eine spannende und tief bewegende Spurensuche – mit verblüffender Auflösung.“ (Quelle: Randomhouse.de)

3. Originell aber anders

So könnte man dieses Buch mit wenigen Worten beschreiben, doch das würde diesem Buch nicht gerecht werden, weswegen ich mich an dieser Stelle auch nicht an einer Rezension versuche, stattdessen möchte ich weiter über die Rolle der Mutter in der Literatur nachdenken und widme mich der Frage, warum bietet sie sich in so vielen Büchern als Haupt- oder Nebenfigur an?

3. Mutter – eine Figur mit Konfliktpotenzial

Nun in den allermeisten Büchern ist die Mutter eine Figur, die entweder eine Nebenfigur ist, aus dem Hintergrund eine wichtige Rolle spielt oder für eine andere Hauptfigur ein Konfliktpotenzial darstellt. Schon im echten Leben reiben sich Menschen an Elternteilen auf, spätestens mit Beginn der Pubertät, der Adoleszenz oder der Ablösezeit beginnt ein Abnabelungsprozess und ein jeder steht irgendwo auf den eigenen Beinen mehr oder weniger großen Erfolg.
In Büchern ist dieser Konflikt auf wenigen Seiten zwischen zwei Buchdeckeln gefasst. Das heißt, die einzelnen Konfliktpotenziale und Konfliktherde schwelen nicht nur, sie brechen innerhalb kürzester Zeit auf. Genau aus diesem Grund ist die Mutter als Figur wohl auch so beliebt.

4. Die wandelbarste Figur

Die Protagonistin, welche die Rolle der Mutter innehat, kann völlig anders aussehen als in einem anderen Buch und doch kann sie Mutter sein, und hat somit gleich eine ganze Reihe neuer Konflikte, dass sich ihre Rolle womöglich verschoben hat. Kippt die Protagonistin in irgendeiner Weise um und erscheint schwach, kann sie durch die Mutterrolle aus der langweiligen Position in die interessanteste Figur des ganzen Buches verhandelt werden.

5. Die Spuren meiner Mutter: viele Geschichten wandelnder Perspektiven

Die Geschichte die Jodi Picoult erzählt ist eigentlich eine Vielzahl von Geschichten mit einer Vielzahl von möglichen Perspektiven und jeder einzelne Perspektive bietet andere Sichtweisen auch auf die Rolle der Mutter. Am spannendsten in diesem Buch sind für meine Fragestellung eigentlich die Rolle von Jenna und ihrer Mutter Alice, denn die eine weiß ganz genau, wo sie sich befindet und was passiert ist, und die andere begibt sich eigentlich auf ihre Fährte. Sie liest Tagebucheinträge, Polizeiakten und spricht mit Menschen, die mit dem Verschwinden ihrer Mutter in Verbindung standen.
Niemand mit Ausnahme von Alice weiß was passiert ist und auch Alice tut sich schwer damit dem Leser irgendetwas zu verraten, sodass er stückweise immer neue Details erfährt und so tappt der Leser ebenso im Dunkeln wie Jenna.

6. Die abwesende Mutter

Was veranlasst eine Mutter dazu ihr Kind allein zurückzulassen oder es zu verlassen und Verwandten und Bekannten zu überlassen das eigene Kind zu versorgen. Nun, diese Frage gibt es auch im echten Leben, und ist eine Parallele zu diesem Buch. Die Frage warum Alice die dreijährige Jenna damals zurückließ, möchte ich an dieser Stelle nicht beantworten, damit würde ich Euch den ganzen Fall auf dem Silbertablett präsentieren und Euch würde das Buch am Ende gar nicht mehr gefallen.

7. Nicht nur thematisch interessant

Aus diesem Grund sage ich nicht viel mehr, als dass es sich lohnt, ein Blick in dieses Buch hinein zu werfen, denn es bietet so viel mehr als nur eine Geschichte zwischen Mutter und Tochter ist keine klassische Familiengeschichte, denn sie ist irgendwie anders und doch ist sie natürlich eine Familiengeschichte. Eine Familiengeschichte mit Abenteuercharakter, Elementen des Spannungsromans  (kein Krimi!) Und noch einiges mehr.
Schon in ihren früheren Büchern zeigte sich, dass Jodi Picoult eigentlich alle schreiben kann. In all ihren Büchern kann sie vor allem auch eins unterhalten. In vielen ihrer Bücher regen ihr Stil und die Art und Weise, wie sie ihre Geschichten erzählt, den Leser zum Nachdenken an und das ist auch bei diesem Buch wieder mal nicht anders.

8. Die Autorin

„Jodi Picoult, geboren 1967 in New York, studierte in Princeton und Harvard. Seit 1992 schrieb sie mehr als zwanzig Romane, von denen viele Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste waren. Die Autorin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, wie etwa 2003 mit dem renommierten New England Book Award. Picoult lebt mit ihrem Mann, drei Kindern und zahlreichen Tieren in Hanover, New Hampshire. „Die Spuren meiner Mutter“ ist nach dem Weltbestseller „Bis ans Ende der Geschichte“ ihr zweiter Roman bei C. Bertelsmann.“ (Quelle: Randomhouse.de)

9. Die Rolle der Mutter in der Literatur: ein Fazit

In vielen Büchern kommt die Mutter als eine Figur mit mehr oder weniger starker Ausprägung und Orientierung auf ihre Mutterrolle vor. Es gibt sicherlich viele Bücher, in denen dieser Archetyp eine Rolle spielt und doch gehört sie mit zu den am wandlungsfähigsten Figuren, die man sich vorstellen kann, denn die Mutterrolle bedeutet zwar eine Handvoll Charakterzüge, ist jedoch mit diejenige Figur, die am wandlungsfähigsten erscheint, da sie nicht oder nicht immer alleine daherkommt. Die Mutterrolle bedeutet lediglich die Anwesenheit von Charakterzügen, nicht jedoch die Abwesenheit von weiteren Merkmalen.

Danke Marie, für diesen Beitrag! Wer mehr von der „Vielleserin“ lesen will, wird hier fündig!

 

Tag 3 der Blogparade #Starke Frauen: heute wirds märchenhaft …

Gastbeitrag von Angela Gaede: Der Fluch der Spindel von Neil Gaiman und Chris Riddell:

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Heute bin ich bei der Blogtour dran und darf euch ein Buch zum Thema “Starke Frauen in Büchern“ präsentieren. Meine Wahl fiel auf Der Fluch der Spindel von Neil Gaiman und Chris Riddell. Dieses Buch weicht ein bisschen von denen der anderen ab. Es ist dünner, schräg und doch hat es eine aussagekräftige Botschaft. Ich finde das Buch passend, weil es auch jüngere Leser erreicht. Zwar schwingt bei Neil Gaiman stets eine düster-melancholische Grundstimmung mit, trotzdem bezeichne ich das Buch als leicht. Es setzt das Thema “starke Frauen“ auf eine witzige, schräge und leichte Weise um, wodurch es Zugang zu Lesern bekommt, die sich mit dem Thema normalerweise nicht auseinandersetzen.
Der Fluch der Spindel ist eine Märchenadaption mit modernen Elementen und überraschenden Wendungen, gleichzeitig bleibt die Form des Märchenerzählens erhalten. Die Geschichte ist nicht lang, aber aussagekräftig und wird mit vielen Illustrationen zu einem wahren Augenschmaus.

Um was geht es genau?

In einem fernen Land liegt hinter einer dichten Rosenhecke ein Schloss, dessen Bewohner seit über sechzig Jahren Schlafen. Für das Land, in dem die Geschichte spielt, ist das nichts Ungewöhnliches. Der Schlaf beginnt sich jedoch auszubreiten. Erst befiel er die umliegenden Bauernhöfe, dann kleinere Dörfer und nun steht er vor der Grenze des Nachbarlandes.
Von ihren treuen Zwergen wird die Königin dieses Nachbarlandes auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Eigentlich hatte sie etwas anderes vor, ihre Hochzeit stand an, doch wie soll man heiraten, wenn alle schlafen. Die Hochzeit wird auf Eis gelegt und dem Geheimnis des Schlafs auf den Grund gegangen.

Ich habe jede Seite genossen. Die Illustrationen sind wundervoll, die Geschichte spannend, humorvoll und anders. Was mich besonders berührt hat, war die Widmung, die Neil Gaiman und Chris Riddell für ihre Töchter geschrieben haben. Sie spiegelt den Kern der Geschichte wieder.

Selbst wenn du Schneewittchen bist, kannst du dich dafür entscheiden auf eine abenteuerliche Reise zu gehen.

Danke, Angela für diesen schräg märchenhaften beitrag und  weiter geht’s hier mit einem Video zum Buch, Viel Spaß!

Der Fluch der Spindel
Neil Gaiman, Chris Riddell
Knesebeck
ISBN: 9783868738728

Morgen berichtet Manuela wie eine vierfache Mutter erfolgreich in die berufliche Selbstständigkeit startet. Es bleibt also spannend – Dranbleiben! 🙂

Tag 2 der Blogparade #StarkeFrauen: Zuerst geächtet, dann gefürchtet: „Madame Mao“

Ein Gastbeitrag von Ira Ebner

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Anchee Mins biografischer Roman „Madame Mao“ zählt zu meinen Lieblingen im Bücherregal. Einmal begonnen, konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zum einen sind es der geschichtliche Hintergrund und das Land China, die mich interessierten, beginnend vom feudalen Kaiserreich, zum kolonialisierten und im 2. Weltkrieg von den Japanern besetzten Land und schließlich hin zu Mao Tsetungs kommunistischer Revolution mit ihren ehrgeizigen Zielen (heute ist die Volksrepublik China Supermacht Nummer Zwei). Dann war es das Schicksal und das Leben der Jiang Qing, Maos Ehefrau, über das ich bereits gelesen hatte, und mit diesem Roman konnte ich ihr Handeln nachvollziehen.

Thema unserer Blogreihe lautet „starke Frauen“. Nicht immer stehen die Protagonistinnen auf der strahlenden, vermeintlich guten Seite und gehen am Ende als tugendhafte Meisterinnen ihrer bewältigten Aufgaben hervor. Sie müssen auch keine Sympathieträgerinnen sein. Beeindruckender sind vielmehr die gesellschaftlichen Bedingungen und ihre Lebensumstände, die ihr Handeln prägen.

Im China zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten Frauen keinen großen Stellenwert. Yunhe, so der eigentliche Name der späteren Madame Mao, wird als Tochter einer Konkubine geboren. Sie erfährt, wie ihre Mutter vom betrunkenen Vater misshandelt wird und ihr werden selbst als junges Mädchen die Füße zu „Lotusfüßen“ gebunden. Eine schmerzhafte Prozedur – Yunhe widersetzt sich und nimmt die Verbände ab. Doch die Wertlosigkeit als Frau, die ihr der Vater suggeriert, nährt ihren Widerstand und auch die Unversöhnlichkeit, die sie später berüchtigt machen soll. Als die Mutter den Vater verlässt, erziehen die Großeltern das Mädchen. Die Mutter soll sie nie wiedersehen.

Yunhe schließt sich einer Theatergruppe an, wird aber zurück zu den Großeltern gebracht und muss einen Mann heiraten, den sie nicht kennt. Bald verlässt sie ihn, um sich erneut einer Schauspieltruppe anzuschließen. Mit dem im Untergrund agierenden Sekretär der Kommunistischen Partei, Yu Quiwei, lernt sie ihren zweiten Ehemann kennen. Doch auch diese Ehe hält nicht lange und Yunhe versucht ihr Glück als Schauspielerin in Shanghai, einer schon damals mondänen Metropole. Dort wechselt sie auch ihren Namen in Lan Ping und schafft es zu einer gewissen Berühmtheit. Doch ihre Sympathien und ihr Engagement für den Kommunismus bringt sie für kurze Zeit ins Gefängnis. Für einen Schauspielkollegen hegt sie Gefühle, doch er weist sie ab. Sie heiratet ein drittes Mal, den Bohemien Tang Na. Auch er scheint ihr nicht das zu geben, was sie sich wünscht.

Die Legende von Mao Tsetung, der von der unwirtlichen und armen Provinz Shaanxi aus seinen Partisanenkrieg gegen die Regierung von Chiang Kaishek (der spätere Gründer der Republik Taiwan) führt, dringt zu Lan Ping durch und 1937 gibt sie die Schauspielerei auf, um sich seiner Roten Armee anzuschließen. Sie studiert Maos Gedichte, hört seinen Reden zu und gewinnt seine Aufmerksamkeit und auch seine Liebe. Doch er ist noch mit Zizhen verheiratet, die sich als Partisanin in die Sowjetunion abgesetzt hat, und es gibt mit der Intellektuellen Fairlynn eine weitere Rivalin. In wilder Ehe leben Lan Ping und Mao Tsetung in dessen Höhle zusammen. Das Politbüro muss der Scheidung und eine erneute Heirat zustimmen. Aus Lan Ping wird Madame Mao Jiang Qing, was übersetzt „Grüner Fluss“ bedeutet. Sie glaubt, endlich auch eine Rolle im politischen Leben zu spielen.

Mit dem Ende des 2. Weltkriegs in Asien befindet sich auch die Rote Armee auf dem Vormarsch durch China. 1948 übernimmt Mao in Peking die Macht. Aber Jiang Qing bleibt eingesperrt in der Verbotenen Stadt, muss mitansehen, wie er eine Beziehung mit Fairlynn führt. Sie wird nicht die Einzige bleiben und Jiang Qing leidet an schweren Depressionen. Nicht minder demütigend ist für sie in den Jahren der Einsamkeit, dass nicht sie als Chinas First Lady gilt, sondern die Frau des Premierministers Wang Guangmei. Verbitterung und Rachsucht beherrschen sie, und auch die schlimmsten Wünsche, die sie für Mao hegt. Der propagiert derweil den „Langen Marsch“, die Kollektivierung und Verstaatlichung. Dürren und Überschwemmungen fordern zudem Millionen von Menschenleben, genauso wie Deportationen und Hinrichtungen.

Der „Lange Marsch“ droht zu scheitern, Mao ist von der Angst getrieben, abgesetzt zu werden und bittet seine Frau um Hilfe. Jiang Qing zögert nicht lange. Sie setzt auf die Jugend des Landes und 1966 beginnt die „Kulturrevolution“, deren Auswirkungen noch heute in der chinesischen Gesellschaft zu spüren sind. Klöster und Tempel werden zerstört, Kulturgüter vernichtet, Denunziationen in den eigenen Familien sind keine Seltenheit. Für Jiang Qing bedeutet die Kulturrevolution der persönliche Rachezug gegen Liebhaber, die sie einst verschmäht hatten, gegen Fairlynn und Wang Guangmei. „Schulden muss man eintreiben“, so ihre Lebensmaxime.

Inzwischen ist Mao Tsedung schwer krank. Jiang Qing strebt danach, seine Nachfolgerin zu werden und schließt sich mit drei weiteren Politbüromitgliedern zusammen. Nach dem Tod des Vorsitzenden entbrennt in Peking der Machtkampf. Als Verbündete geglaubte Politbüromitglieder verleugnen Jiang Qing. Schließlich wird sie mit der „Viererbande“ verhaftet und zu Tode verurteilt. Die Todesurteile werden jedoch nie vollstreckt. Als Gefangene muss Jiang Qing für den Export bestimmte Puppenkleider nähen – und bestickt Säume mit ihrem Namen. „Wo werden sie landen? In der vergessenen Spielzeugkiste eines Kindes? Auf einem Fensterbrett?“

Am 14. Juni 1991 begeht Jiang Qing in ihrer Gefängniszelle Selbstmord.

Ich hatte bereits vor 20 Jahren den autobiographischen Roman „Die rote Azalee“ von Anchee Min gelesen, der während der Kulturrevolution spielt. Da mir die Autorin durch ihren eindringlichen, wie auch beinahe schon poetischen Schreibstil angenehm in Erinnerung blieb, kaufte ich mir auch „Madame Mao“. Genau mit diesem Schreibstil verschaffte sie Nähe und tiefe Einblicke in die Seele Jiang Qings. Anchee Min erzählt aus zwei Perspektiven. Einmal dokumentarisch aus der 3. Person, dann überlässt sie über Passagen hinweg Jiang Qing als Ich-Erzählerin den Raum, was ich sehr beeindruckend finde, weil es ihr gelungen ist. Trotzdem beschönigt oder entschuldigt sie nichts, was später in ihrem Namen geschah, und manchmal schauderte mir sogar bei so viel Rachsucht, die schon an Besessenheit grenzte. Aber ich empfand auch tiefes Mitgefühl, denn nicht einmal im prächtigsten Palast ist das Leben schön, wenn die Einsamkeit und die Verachtung des eigenen Ehemanns die Begleiter sind.

Für Geschichtsinteressierte und Liebhaber anspruchsvoller Romane, sowie komplexer Figuren ist „Madame Mao“ eine Empfehlung wert. 

Danke für diese interessante Rezension, Ira – hier geht es weiter zu Iras interessanten Blog „Crushed Saga“

Hier die Hauptseite der #StarkenFrauen in der Literatur bei Sabine Ibing

Morgen berichtet Angela Gaede über ein ganz spezielles Märchen. Dranbleiben! 😉

Tag 1 der Blogparade #StarkeFrauen: „Miss Terry“ – ein Bestseller, der es verdient ganz oben zu stehen

Ein Gastbeitrag von Sabine Ibing:

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Der erste Satz: »Könnten wir Nita Theri beim Schlafen zusehen, wir bekämen vermutlich einen ganz falschen Eindruck.«

Nita Theri, in England geboren, Britin, Tochter pakistanischer Einwanderer, hat sich in London, unweit vom Fluss, eine Eigentumswohnung gekauft. Sie arbeitet als Lehrerin. Später erfährt man, sie hat ihrem Vater ein Geschäft verpatzt, denn der wollte sie meistbietend an einen älteren Mann nach Pakistan verheiraten. Nita wollte weder ihr Studium abbrechen noch einen älteren Mann heiraten. Sie ist abgehauen, muss sich verstecken, denn wehe, ihr Vater und die anderen Männer der Familie erwischen sie … Heimlich telefoniert ihre jüngere Schwester mit ihr, die sich nämlich nicht gewehrt hat, die das Studium abbrach, im fremden Ausland bei einem ungeliebten Mann lebt. Nita muss sparsam sein, die Raten für die Wohnung und die Rückzahlung des Studiendarlehns drücken. Sie geht nicht viel aus, hat wenig soziale Kontakte. Liza Cody hat diesen Krimi aus der personalen Ebene geschrieben. Nicht in der Ich-Form, sondern als Leser blicken wir auf Nita, erleben, was sie erlebt und sehen nur das, was Nita von der Welt sieht.

Doch nun von Anfang an: Vor dem Haus gegenüber steht ein Container, es wird renoviert. Nita ärgert sich, denn die Nachbarn entsorgen ihren Müll, ihre Tannenbäume und vieles mehr zwischen dem Bauschutt. Und plötzlich klingelt die Polizei bei Nita, stellt komische Fragen. Man fragt, mit wem sie schläft und mit wie vielen. Was passiert sei, fragt Nita, worum es gehe. Nur ein paar Fragen. Man hält sich bedeckt. Andere Nachbarn werden nicht ausgequetscht. Was geht vor? Man verlangt sogar eine DNA-Probe von Nita. Sie bittet die Polizisten, zu gehen. »

›Sie sprechen verdammt gut Englisch‹, sagte Reed in einem Ton, der versöhnlich klingen sollte. – ›Ich bin Engländerin.‹ Nita war so wütend, dass sie fast stotterte. ›Und sie beide gehen jetzt bitte.‹«

Immer wieder diese Frage! Nita versteht es nicht. Die Polizisten gehen nicht, bitten sie sogar, einen Tee zu kochen, amüsieren sich, wie sie die Kanne vorwärmt. Man kann die Polizei nicht rausschmeißen, nicht mit dieser Hautfarbe. Aber man muss sich auch nicht alles gefallen lassen. Nita informiert sich, ob sie ohne Begründung ihre DNA abgeben muss. Auf Seite 81 erfahren wir endlich gemeinsam mit Nita, was passiert ist. In dem Container wurde ein toter Säugling gefunden. »

›… Ein kleines Mädchen, höchstens ein paar Tage alt, wobei wir noch auf den gerichtsmedizinischen Befund warten, um ganz sicher zu sein. Und genau, wie sie bereits vermutet haben, war das Baby multi-ethnischer Abstammung.‹ – ›Welche Ethnien?‹ – Sergeant Cutler schaute unbehaglich drein. – ›Sie wissen es nicht, nicht wahr?‹ Nita empfand etwas wie Genugtuung. ›Und daraufhin haben sie sich auf die einzige farbige Frau in der Guscott Road gestürzt. …«

Für Nita bricht nun eine Welt zusammen. Anwohner behaupten, sie wäre schwanger gewesen. Eine Nachbarin hält zu Nita und klärt sie auf, welche Gerüchte herumgehen.

»Die Nuttige behauptet, Sie hätten einen Braten in der Röhre gehabt, als Sie hierher zogen. Die Hochnäsige erklärt, Sie wären illegal eingewandert, und der bekloppte Idiot da überm Frauenhaus krakeelt, Sie wären eine arabische Bombenlegerin. Ich hab gesagt, Sie sind nicht der Typ für so was, aber die verflixten Cops meinten, das wäre generell keine Frage des Typs, und wir müssten heutzutage alle die Augen offen halten, immer und überall.«

Hass gegen die Dunkelhäutige springt Nita nun entgegen. Auch an der Schule wird sie vom Direktor zum Gespräch geladen. Umschläge mit merkwürdigen Dingen landen in ihrem Briefkasten. Da tritt Privatermittler Zach in ihr Leben. Der kennt sich mit polizeilichen Ermittlungen aus. Sein Honorar frisst Nitas Notgroschen auf. Eine Boshaftigkeit nach der anderen stellen ihr Leben auf den Kopf. Wird Zach sie vor der Polizei schützen können, herausfinden, wer Nita bedroht? Wird die Zeitung ihren Namen schreiben und die Familie ihr auf die Spur kommen?

»WAS NU BRAUNE KUH«, so ist das Päckchen beschriftet, das vor Nitas Haustür liegt.

Nita kocht gern scharfe Gerichte. Genauso scharf sieht Lisa Cody hin und wir erfassen gemeinsam mit Nita eine Welt voll Ausgrenzung und Vorurteil. Nita Theri erklärt mehrfach, wie man ihren Namen ausspricht. Ignorant wird sie von den Polizisten weiter Miss Terry genannt (schnell gesprochen landen wir bei mystery), man ignoriert ihre Fragen, ihre Aufforderungen, macht sich in ihrer Gegenwart lustig über sie. Sie ist Britin, auch das wird nicht wahrgenommen, sie ist die Dunkelhäutige. Dieser Roman, Krimi ist fast die falsche Bezeichnung für diese gute Geschichte, ist spannend, besitzt britischen Humor und natürlich ist diese Geschichte ein Drama. Nita wächst dem Leser ans Herz, man würde sie gern beschützen, die zarte Frau, einmal naiv und wehrlos, dann wieder durchsetzungsstark, überlegt. Immer wenn man meint, Nita hätte genug gelitten, setzt uns Liza Cody eins oben drauf.

Die Geschichte ist hinterhältig. Aber trotz allem hat man nie das Gefühl, ins Dunkel gezogen zu werden, denn Nita gibt nie auf und immer wieder leuchtet ein Stern am Firmament. Eine Geschichte gegen Rassismus, denn nur weil man den »richtigen« Pass besitzt, gehört man noch lange nicht dazu. Nita hängt zwischen den Welten. Die englische Welt lässt sich nicht ganz herein und die Welt, von der sie sich getrennt hat, lässt sie nicht ganz gehen. Als sie ihre Familie verließ, wusste sie, es gibt keine Rückkehr. Heimlich hält sie Kontakt mit einer Schwester, hofft, ihr jüngerer Bruder sei in dieser Welt angekommen, würde ihr nicht nach dem Leben trachten wie der Vater und der Onkel. Ihre Gedanken schweifen immer zurück zur Familie, Gedanken der Liebe an die einen, die der Angst vor den anderen. Wo ist Nita zu Hause? Die Geschichte zeigt nicht nur die seelische Zerrissenheit von Nita, sondern gelernte Verhaltensmuster aus der Kindheit tauchen auf: Furcht vor der Obrigkeit, sich ducken, unsichtbar machen, um bloß nicht unangenehm aufzufallen, freundlich zu sein, sich Männern zu fügen. Nita setzt die Polizisten nicht vor die Tür, empört sich nicht, als der Direktor sie freistellt. Sie lässt sich alles gefallen … nicht ganz. Es gibt Solidarität, auch wenn du gar nicht mehr damit rechnest.

Ein wundervolles Buch. Zu Recht erhielt Liza Cody in diesem Jahr den »Deutschen Krimipreis« für dieses Buch und 2015 für den Obdachlosen-Krimi „Lady Bag“.

Deutscher Krimi Preis 2017

Platz 4 der KrimiBestenliste, Februar 2017.

Platz 2 der KrimiBestenliste, Januar 2017.

Platz 4 der KrimiZEIT-Bestenliste: die besten Krimis des Jahres 2016.

Platz 1 der KrimiZEIT-Bestenliste, Dezember 2016.

 

Danke Sabine, für diese Rezension! Hier geht’s zu weiteren Krimi-Rezensionen bei Sabine Ibing.

Und morgen entführt uns Ira Ebner mit „Madame Mao“ nach China. Dranbleiben 😉