Alles Fassade … oder was?

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Zur Abwechslung mal wieder ein Indie-Buch, das mir als Strand- und Ferienlektüre ‚über den Weg‘ lief! Mit großem Vergnügen habe ich mich Sophies Eskapaden gewidmet und auch mein Mann war von diesem Buch begeistert – obwohl sich zugegebenermaßen in die Be – manchmal die nackte Ent-geisterung mischte. Irgendetwas Positives muss doch an dieser Dame zu finden sein, dachte ich (empathiegeschult und in einem sozialen Beruf geprägt). Aber Sabine Ibing ist hier das schonungslose Porträt einer Soziopathin, einer Narzistin reinsten Wassers gelungen. Erschreckend. Und gleichzeitig entlarvend – denn die Männer, die hier zu wohlfeilen Opfern werden, lassen sich nur allzuleicht auf eine Person ein, die im Wesentlichen aus sexuellen Schlüsselreizen und einer gut einstudierten Opferattitüde besteht. Hübsch und schutzbedürftig – das weckt nicht nur die Ritterlichkeit im Manne, sondern kitzelt die eigene Eitelkeit – kann man doch den mittelalten und leicht übergewichtigen Kumpels ein solches Weibchen als Trophäe präsentieren. Frei nach dem Motto: meine Jacht, mein Haus, mein Luxusschlitten. Naja – in der Welt der Schönen und Reichen, oder bei denen, die sich dafür halten, kommt es nicht auf 10.000 Euro an, so dass Sophies krankhafte Verschwendungssucht erst einmal als liebenswerte Eskapade durchgehen mag. Außerdem: die Fassade muss stimmen (koste es (fast), was es wolle). Aber ziemlich schnell geht es ans Eingemachte: Sophies Shoppingleidenschaft wächst sich zum Konsumterror aus und irgendwann ist auch der gehobene Mittelständler finanziell am Ende – und nicht nur das: Sophie saugt ihre Opfer auch emotional aus bis aufs Mark – um sie dann fallen zu lassen, wie die sprichwörtliche Schwarze Witwe. Ein gruseliger Stoff, den sich die Autorin vorgenommen hat und mit bemerkenswert leichter Hand und viel Humor inszeniert. Manchmal hat es Züge des Ohnesorg-Theaters – aber in das Lachen mischt sich Bitterkeit. Dass Sophie, obwohl sie im Geld schwimmt, dennoch nie wirklich glücklich ist, ist ein schwacher Trost. Viel stärker wiegt das dumme Gefühl, dass diese Dame dem geneigten Leser irgendwie so unheimlich bekannt vorkommt … und dann, dass man so entsetzlich wehrlos ist. Gerne wüsste ich, wie es weitergeht mit Sophie. Ich sehe nur eine einzige Chance, die sich am Ende des Buches abzeichnet: Zwingt diese rothaarige Soziopathin dazu ihr eigenes Geld zu verdienen – vielleicht wäre sie dann ‚geheilt‘.

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