Glänzende Milieuschilderung vor düsterem Hintergrund

teddy

Rosa Berg hat mit „Teddybär, Teddybär, dreh dich um …“ ein packendes Psychothriller-Debüt geschrieben. Ganz stark: Die Schilderung des Innenlebens von Hanna Malchau, die in einem verkommenen Wohnwagen haust und deren junges Leben so von Grund auf verpfuscht ist, dass es schwer fällt, diese Figur auch nur ansatzweise sympathisch zu finden. Rosa Berg gelingt jedoch das Kunststück, Empathie für Hanna zu erzeugen, die in einer wahnwitzigen Rettungsaktion das eigene Kind entführt. Ganz allmählich wird dem Leser klar, dass die Negativfigur Hanna zwar niemals zur Lichtgestalt mutieren wird, dass es aber noch andere Menschen in ihrem Umfeld gibt, die noch wesentlich finsterere Absichten haben. Mit spitzer Feder und einem Gespür für absolut irre Situationen ensteht ein Plot, der seine Spannung daraus bezieht, ob dem Kind etwas angetan wird und ob die Bedrohungsszenarien, denen Hanna ausgesetzt ist, ihrer kranken Fantasie entspringen oder ob es einen Täter gibt, der sie in den Wahnsinn treiben will. Eingestreute Textpassagen erschließen allmählich das Erinnerungsbild einer zerstörten Persönlichkeit, der Unglaubliches angetan wurde. Da man diese Erinnerungen erst ganz zum Schluss richtig einordnen bzw. zuordnen kann, entsteht auch hier ein Sog, der das Buch zu einem wahren Page-Turner macht. Und last but not least gibt es da noch die Ermittler: Jan Sander, der Gutmensch unter den Kommissaren und seine Gegenspielerin … Obwohl sich die Verhaltensweisen der beiden Kripo-Beamten im Plot schlüssig aufklären, gibt es hier den einzigen ‚Punktabzug‘ von meiner Seite. Die Polizeiarbeit ist streckenweise sehr unglaubwürdig. Ich weiß, ich weiß, mancher ARD-Tatort ist auch nicht besser – aber da die übrigen Milieuschilderungen (genial: Mikrokosmos Campingplatz!!) so toll sind, muss sich die Autorin hier am eigenen Niveau messen lassen. Aber ganz egal: Das Buch baut Spannung auf, Milieuschilderungen und starke Charaktere punkten, die Dialoge sind Spitze und jede Figur hat ihre eigene Stimme – und dem Ermittlerpaar gebe ich gern in einem Folgeband eine zweite Chance! Da ist noch Entwicklungspotential und ich freue mich auf den nächsten Band mit den beiden!

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